Urologie

Medizin unter der Gürtellinie

Die Urologie ist ein Teilgebiet der Medizin und beschäftigt sich mit den harnbildenden und harnableitenden Organen, also Niere, Harnblase, Harnleiter, Harnröhre, Prostata und den Geschlechtsorganen des Mannes.

Bei Problemen mit den betreffenden Organen wenden sich Betroffene an einen Urologen oder eine Urologin. Gegebenenfalls findet die Überweisung durch den Hausarzt statt.

Links & Downloads

Behandlungsmöglichkeiten bei einer überaktiven Blase sowie Prostatabeschwerden

Krankheitsbild

Beschwerden des unteren Harntraktes, d.h. Probleme beim Wasserlassen, werden meist bei Männern und Frauen durch eine überaktive Blase und bei Männern zudem sehr häufig durch eine gutartige Vergrösserung der Vorsteherdrüse (Prostata), hervorgerufen.

Überaktive Blase (OAB)

Eine überaktive Blase (Over active bladder OAB, auch Blasenschwäche oder funktionelle Störung der Blase) ist bei Männern und Frauen sehr weit verbreitet. Fast jeder Fünfte der über 40-Jährigen ist betroffen. Mit zunehmendem Alter nimmt die Häufigkeit stark zu.

Die Symptome umfassen:

  • ein häufigeres Wasserlassen (mehr als 8 Mal pro 24 h)
  • drängender und plötzlicher Harndrang
  • zwei- oder mehrmalige nächtliche Toilettengänge (Nykturie)
  • unwillkürlicher, nicht kontrollierbarer Urinabgang (Inkontinenz)

Diese Symptome können einzeln oder gemeinsam auftreten und den Tagesablauf der Betroffenen mehr oder weniger einschränken.

Gutartige Erkrankungen der Prostata (BPH)

Ungefähr 10% aller Männer sind von der benignen (gutartigen) Prostatahyperplasie (BPH) betroffen. Die Krankheit äussert sich durch Beschwerden im unteren Harntrakt. Die Prostataerkrankung zählt zu den typischen altersbedingten Krankheiten: Je älter der Mann, desto höher die Wahrscheinlichkeit einer Erkrankung. Bei den über 80-jährigen leidet jeder vierte unter der Erkrankung.

Diese gutartige Vergrösserung der Prostata entsteht durch eine übermässige Produktion des Muskelgewebes der Prostata. Es kann zu einer ringförmigen Einengung der Harnröhre und damit zu Problemen beim Wasserlassen kommen.

Die Symptome umfassen:

  • Probleme bei der Speicherung des Urins: ein häufigeres Wasserlassen, nächtliches Wasserlassen und Harndrang
  • Probleme bei der Harnentleerung: schwacher oder unterbrochener Urinstrahl, verzögertes Einsetzen der Entleerung der Blase oder Wasserlassen ist nur unter Anstrengung möglich, Startschwierigkeiten («Anlaufhemmung»)
  • Probleme nach der Harnentleerung: Nachträufeln und das Empfinden, dass noch Urin in der Blase ist
  • Inkontinenz

Diagnose

Um das Beschwerdebild genau zu umfassen, ist in erster Linie ein sogenanntes Anamnesegespräch mit dem behandelnden Arzt nötig. In diesem Gespräch wird Ihre Vorgeschichte in Bezug auf Ihre Erkrankung ermittelt und auch oft nach Ihren Trink- und Essgewohnheiten gefragt. Häufiger Kaffee- und Teegenuss kann z.B. den Harndrang fördern.

Zudem müssen andere ursächliche Krankheiten wie Infektionen, Blasensteine oder bösartige Vergrösserungen ausgeschlossen werden.

Es folgen weitergehende Untersuchungen wie z.B. die Urindiagnostik, Harnflussmessung und eine Ultraschalluntersuchung der Harnwege (Blase, Nieren, Restharnmessung).

In der Regel wird der Betroffene gebeten, ein Miktionstagebuch zu führen. Dabei wird der Patient aufgefordert, während mehreren Tagen das Trinkverhalten und sämtliche Toilettenbesuche (Wasserlassen) sowohl tagsüber als auch nachts notiert werden. Auch das Urinvolumen wird dabei erfasst. Die Betroffenen können so zusammen mit dem Arzt das Ausmass der Beschwerden einschätzen und gegebenenfalls bestimmte Muster erkennen.

Bei Männern zusätzlich:

Bei Männern ist zudem eine Tastuntersuchung, bzw. Ultraschalluntersuchung der Vorsteherdrüse (Prostata) zu empfehlen. Damit kann eine gutartige Vergrösserung der Prostata, die benigne Prostata Hyperplasie (BPH), als mögliche Ursache für die Blasenprobleme erkannt werden.

Die Symptome und der Leidensdruck werden hier in der Regel mit dem Internationalen Prostata-Symptomen-Score (IPSS), einem mehrere Fragen umfassender ragebogen, beurteilt.

Therapie

Bei einer überaktiven Blase stehen nichtmedikamentöse und medikamentöse Therapien zur Verfügung, die oft miteinander kombiniert werden. In schwerwiegenden Fällen sind auch operative Eingriffe möglich.

Neben einer Beratung in Bezug auf die Ess- und Trinkgewohnheiten wird in der Regel ein Blasen- und Beckenbodentraining empfohlen sowie ganz allgemein genügend Bewegung.

Neben einem beobachtenden Abwarten («Watchful Waiting») bei Patienten, die sich von der Symptomatik wenig beeinträchtigt fühlen, stehen verschiedene medikamentöse oder operative Therapieoptionen zur Verfügung. Dabei werden die vorherrschenden Symptome sowie bei Männern eine allfällige Prostatavergrösserung berücksichtigt.

Medikamentöse Behandlung

Medikamentös stehen Ihnen verschiedene Wirkstoffklassen zur Verfügung – ein Anticholinerikum oder ein Beta-3-Adrenozeptor-Agonist.

  • Das Anticholinerikum blockiert Nervenreize, damit sich der Blasenmuskel nicht mehr so kräftig und unwillkürlich zusammenzieht. Zusätzlich gibt es Hinweise, dass durch die Medikamente die Reize aus der Harnblase, welche den Harndrang verursachen, ebenfalls blockiert oder gehemmt werden. Die meisten Patienten verspüren bereits nach den ersten Wochen eine Symptombesserung. Die volle Wirkung wird nach ungefähr 3 Monaten erreicht.

Häufige Nebenwirkungen dieser Wirkstoffgruppe können Mundtrockenheit oder Verstopfung sein.

  • Der Beta–3-Adrenozeptor-Agonist fördert die Entspannung der Blase während der Füllung, erhöht die Blasenkapazität und das Intervall zwischen den Blasenentleerungen. Die meisten Patienten verspüren bereits nach den ersten Wochen eine Symptombesserung. Die Wirksamkeit tritt im Allgemeinen innerhalb von 8 Wochen ein.

Bei PBH zusätzlich:

In leichten Fällen können pflanzliche Arzneimittel wie Brennesselauszüge oder Sägepalmextrakte angewendet werden. Falls damit nicht die gewünschten Resultate erreicht werden, kommen Alpha-Blocker und 5-Alpha-Reduktasehemmer zum Einsatz.

  • Die Alpha-Blocker führen zu einer Entspannung der Blasenhalsmuskulatur und verbessern so die Beschwerden. Sie wirken schnell.
  • Die β3-Alpha-Reduktase-Hemmer verkleinern die Prostatagrösse, wirken jedoch langsamer.

Die gute Wirksamkeit und Verträglichkeit ist für alle Wirkstoffgruppen durch zahlreiche Studien belegt.

Die Medikamente müssen über mehrere Monate eingenommen werden. Die meisten Patienten verspüren bereits nach den ersten Wochen eine Symptombesserung, die volle Wirkung wird nach ungefähr drei Monaten erreicht.

Fragen Sie Ihren Arzt nach der für Sie besten Behandlungsmöglichkeit.

BET_2020_0007_CH